Vor 14 Jahren kam der ältere „Medikamenten-Cousin“ von Semaglutid (Ozempic und Wegovy) auf den Markt.
Dabei handelt es sich um Liraglutid, das unter den Markennamen Victoza und Saxenda verkauft wird.
Inzwischen sind die Patente für Victoza und Saxenda abgelaufen. Deshalb arbeiten andere Pharmaunternehmen daran, „Generika“-Versionen zu entwickeln. Diese dürften nur einen Bruchteil der aktuellen Kosten ausmachen, die derzeit bei etwa 400 australischen Dollar (A$) pro Monat liegen.
Wie schneidet Liraglutid also im Vergleich zu Semaglutid ab?
Wie wirken diese Medikamente?
Liraglutid wurde ursprünglich nicht als Mittel zur Gewichtsabnahme entwickelt. Ähnlich wie Semaglutid (Ozempic) war es anfangs zur Behandlung von Typ-2-Diabetes vorgesehen.
Sowohl Liraglutid als auch Semaglutid gehören zu einer Wirkstoffklasse, die als GLP-1-Mimetika bekannt ist – sie ahmen also das natürliche Hormon GLP-1 nach. Dieses Hormon wird im Dünndarm als Reaktion auf Nahrung freigesetzt und wirkt auf verschiedene Weise, um die Verarbeitung von Glukose (Zucker) im Körper zu verbessern.
Wie bremsen sie den Hunger?
Liraglutid wirkt in mehreren Bereichen des unbewussten Teils des Gehirns – insbesondere im Hypothalamus, der den Stoffwechsel steuert, sowie in Regionen des Hirnstamms, die dem Hypothalamus Informationen über den Nährstoffstatus des Körpers weitergeben.
Dort scheint es den Appetit auf zwei Arten zu dämpfen. Erstens sorgt es dafür, dass man früher satt wird, sodass kleinere Mahlzeiten als befriedigender empfunden werden. Zweitens beeinflusst es die „motivationale Salienz“ von Nahrung – das heisst, es verringert, wie stark man aktiv nach Essen sucht.
Die ursprüngliche Liraglutid-Formulierung zur Behandlung von Typ-2-Diabetes wurde unter dem Namen Victoza vermarktet. Dass das Präparat auch zu Gewichtsverlust führen kann, zeigte sich bereits kurz nach der Markteinführung.
Kurz darauf kam eine höher dosierte Formulierung auf den Markt: Saxenda. Diese war gezielt zur Gewichtsabnahme bei Menschen mit Adipositas vorgesehen.
Wie viel Gewicht kann man mit Liraglutid verlieren?
Menschen reagieren unterschiedlich und nehmen in verschiedenem Ausmass ab. Im Folgenden geht es daher um die durchschnittliche Gewichtsabnahme, die Nutzerinnen und Nutzer erwarten können. Einige verlieren mehr (teils deutlich mehr), andere weniger, und ein kleiner Anteil spricht nicht darauf an.
Das erste Medikament aus der Gruppe der GLP-1-nachahmenden Wirkstoffe war Exenatid (Bayetta). Es ist weiterhin zur Behandlung von Typ-2-Diabetes erhältlich, derzeit jedoch ohne Generika. Exenatid kann zwar zu Gewichtsverlust führen, dieser fällt aber meist eher gering aus – typischerweise etwa 3–5 Prozent des Körpergewichts.
Bei Liraglutid wird zur Behandlung von Adipositas die höher dosierte Variante Saxenda eingesetzt; damit sind im Durchschnitt ungefähr 10 Prozent Gewichtsverlust zu erwarten.
Semaglutid führt in der stärker dosierten Formulierung Wegovy typischerweise zu rund 15 Prozent Gewichtsabnahme.
Das neueste GLP-1-nachahmende Medikament auf dem Markt ist Tirzepatid (Mounjaro bei Typ-2-Diabetes und Zepbound zur Gewichtsabnahme). Damit liegt der Gewichtsverlust bei etwa 25 Prozent des Körpergewichts.
Was passiert, wenn man die Einnahme beendet?
Auch wenn diese Medikamente beim Abnehmen wirksam sind, scheint sich der individuelle „Sollwert“ des Körpergewichts dadurch nicht dauerhaft zu verändern.
In vielen Fällen kommt es deshalb nach dem Absetzen zu einem Rückprall in Richtung des ursprünglichen Gewichts.
Wie hoch ist die Dosis und wie oft muss man sie anwenden?
Liraglutid (Victoza) für Typ-2-Diabetes ist derselbe Wirkstoff wie Saxenda zur Gewichtsabnahme – allerdings ist Saxenda höher dosiert.
Obwohl beide Formulierungen dasselbe Ziel im Körper haben (den GLP-1-Rezeptor), muss Liraglutid zur Blutzuckerkontrolle bei Typ-2-Diabetes (vor allem) die Bauchspeicheldrüse erreichen.
Für eine Gewichtsabnahme muss es hingegen bestimmte Bereiche im Gehirn erreichen. Dafür muss es die Blut-Hirn-Schranke überwinden – und nicht der gesamte Wirkstoff gelangt hindurch. Das bedeutet, dass für diesen Effekt eine höhere Menge verabreicht werden muss.
Alle derzeit verfügbaren Formulierungen der GLP-1-nachahmenden Wirkstoffe werden gespritzt. Daran wird sich auch dann nichts ändern, wenn Liraglutid-Generika auf den Markt kommen.
Unterschiede gibt es jedoch bei der Häufigkeit der Injektion. Liraglutid wird einmal täglich gespritzt, während Semaglutid und Tirzepatid nur einmal pro Woche verabreicht werden. (Das macht Semaglutid und Tirzepatid deutlich attraktiver – allerdings ist mit Semaglutid als Generikum erst ab 2033 zu rechnen.)
Welche Nebenwirkungen gibt es?
Da all diese Medikamente im Körper dasselbe Ziel haben, ähneln sich ihre Nebenwirkungen weitgehend.
Am häufigsten treten verschiedene Magen-Darm-Beschwerden auf, darunter Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Verstopfung und Durchfall. Diese Symptome entstehen unter anderem dadurch, dass die Wirkstoffe die Magenentleerung verlangsamen. In der Regel lassen sie sich dadurch besser handhaben, dass die Dosis schrittweise gesteigert wird.
Aktuelle klinische Daten deuten darauf hin, dass die verlangsamte Magenentleerung für manche Menschen problematisch sein kann und möglicherweise das Risiko erhöht, dass während Operationen Nahrung in die Lunge gelangt. Deshalb ist es wichtig, die behandelnde Ärztin oder den behandelnden Arzt zu informieren, wenn man eines dieser Medikamente einnimmt.
Da es sich um Injektionen handelt, können zudem Reaktionen an der Einstichstelle auftreten.
In klinischen Studien gab es einzelne Meldungen über Schilddrüsenerkrankungen und Pankreatitis (Entzündung der Bauchspeicheldrüse). Es ist jedoch unklar, ob diese Ereignisse tatsächlich auf GLP-1-nachahmende Wirkstoffe zurückzuführen sind.
Bei Tieren wurde festgestellt, dass GLP-1-nachahmende Wirkstoffe das Wachstum des Embryos ungünstig beeinflussen können. Zur Anwendung in der Schwangerschaft liegen derzeit keine kontrollierten klinischen Studiendaten vor; aufgrund der Tierdaten sollten diese Medikamente in der Schwangerschaft nicht verwendet werden.
Wer kann sie nutzen?
Die GLP-1-nachahmenden Medikamente zur Gewichtsabnahme (Wegovy, Saxenda, Zepbound/Mounjaro) sind für Menschen mit Adipositas zugelassen und sollen nur in Kombination mit Ernährung und Bewegung eingesetzt werden.
Diese Medikamente müssen ärztlich verordnet werden und werden bei Adipositas nicht über das Pharmaceutical Benefits Scheme erstattet – das ist ein Grund, weshalb sie teuer sind. Mit der Zeit dürften Liraglutid-Generika jedoch voraussichtlich erschwinglicher werden.
Sebastian Furness, ARC Future Fellow, School of Biomedical Sciences, The University of Queensland
Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz aus The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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