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Dreijährige Intervention in Finnland: Lebensstil kann Typ-2-Diabetes trotz hohem genetischem Risiko verzögern

Frau schneidet Gemüse in heller Küche mit Tablet und Laufschuhen auf der Arbeitsplatte.

Gene erhöhen das Risiko – sie entscheiden aber nicht allein

Genetische Faktoren haben einen sehr grossen Einfluss darauf, ob sich ein Typ-2-Diabetes entwickelt. Trotzdem ist das Erbgut nicht der einzige Taktgeber im Leben.

Eine neue Studie deutet erstmals darauf hin, dass selbst Menschen mit einer genetischen Veranlagung für Diabetes die Erkrankung durch passende Lebensstilentscheidungen hinauszögern können.

Dreijährige Intervention in Finnland zu Typ-2-Diabetes und Lebensstil

In Finnland zeigte nun eine dreijährige Intervention, dass gesunde Ernährung und regelmässige Bewegung das Risiko senken können, bei Männern mit „hohem genetischem Risiko“ an Typ-2-Diabetes zu erkranken.

Das Programm half den Teilnehmenden dabei, den Blutzucker besser zu regulieren und Gewicht zu verlieren – und zwar auch bei jenen, die insgesamt als Personen mit niedrigen genetischen Risikofaktoren für Diabetes eingestuft wurden.

„Diese Ergebnisse ermutigen alle, Lebensstiländerungen vorzunehmen, die die Gesundheit fördern. Ausserdem zeigen sie, wie wirksam gruppen- und internetbasierte Lebensstilberatung ist – und wie dadurch Ressourcen im Gesundheitswesen geschont werden können“, sagt die klinische Ernährungsberaterin Maria Lankinen von der Universität Ostfinnland.

Dass Lebensstilprogramme die Häufigkeit von Typ-2-Diabetes reduzieren können, ist nicht völlig neu.

Erst vor Kurzem ergab ein einjähriges Diabetesprogramm in England, dass eine umfassende Umstellung der täglichen Ernährung 32 Prozent der Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes in eine Remission bringen kann – sie benötigen dann keine Medikamente mehr.

Die aktuelle Untersuchung trägt jedoch dazu bei, die Anteile von Genetik und Umwelt am Beginn eines Diabetes besser voneinander abzugrenzen.

Studiendesign: Teilnehmende, Betreuung und genetische Bewertung

Forschende der Universität Ostfinnland und des Universitätsklinikums Kuopio schlossen für die Interventionsstudie mehr als 600 männliche Teilnehmer über 50 Jahre ein.

Die Männer nahmen an Gruppensitzungen teil, in denen die Bedeutung einer gesunden Ernährung und körperlicher Aktivität vermittelt wurde. Zusätzlich erhielten sie von klinischen Ernährungsberaterinnen und -beratern individuelles Feedback sowie einen Ernährungs- und Bewegungsleitfaden, der sie über die folgenden drei Jahre begleitete. In diesem Zeitraum wurden zweimal ein oraler Glukosetoleranztest und eine körperliche Untersuchung durchgeführt.

Rund die Hälfte der Interventionsgruppe wies ein hohes genetisches Risiko für Typ-2-Diabetes auf, die andere Hälfte ein niedriges. Die Einordnung basierte auf einer Summe aus 76 Genvarianten, die bekannterweise das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen.

Als Kontrollgruppe dienten 345 männliche Teilnehmer, die nicht an der Intervention teilnahmen. In dieser Kontrollgruppe hatten 149 Personen ein hohes genetisches Risiko und 196 ein niedriges.

Ergebnisse nach genetischem Risiko

Verglichen mit den Männern mit hohem genetischem Risiko in der Kontrollgruppe war die Wahrscheinlichkeit, später Typ-2-Diabetes zu entwickeln, bei den Männern mit hohem genetischem Risiko in der dreijährigen Intervention um 6 Prozent geringer.

Bei den Teilnehmenden der Interventionsgruppe mit niedrigem genetischem Risiko zeigte sich im Vergleich zu den Personen mit niedrigem genetischem Risiko in der Kontrollgruppe kein signifikanter Unterschied. Dennoch nahmen auch sie ab und erzielten metabolische Verbesserungen, die denen der Hochrisiko-Interventionsgruppe entsprachen.

Mit zunehmendem Alter verschlechtert sich beispielsweise häufig die Blutzuckerkontrolle. In der Interventionsgruppe fielen diese ungünstigen Effekte jedoch deutlich kleiner aus als in der Kontrollgruppe.

Das spricht dafür, dass auch Teilnehmende mit niedrigem genetischem Risiko von den Lebensstiländerungen profitieren.

Um den Effekt in grösseren und vielfältigeren Gruppen zu bestätigen, sind weitere Studien nötig. Die Forschenden argumentieren aber, dass diese Untersuchung zeigt, dass Typ-2-Diabetes mit einem niedrigschwelligen Ansatz „verhindert oder verzögert“ werden kann.

Ein Schwerpunkt auf gesunder Ernährung und körperlicher Aktivität bei Männern mittleren und höheren Alters – insbesondere bei hohem genetischem Risiko für Typ-2-Diabetes – könnte eine kosteneffiziente und praktikable Möglichkeit sein, das Auftreten dieser sehr verbreiteten Stoffwechselerkrankung zu verringern.

„Daher“, so das Team aus Finnland, „deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass alle Personen mit einem Risiko für Typ-2-Diabetes unabhängig vom genetischen Risiko zu Lebensstiländerungen ermutigt werden sollten.“

Die Studie erschien im Journal für klinische Endokrinologie & Metabolismus.

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