Jeder hat schon gehört, dass Frühstück wichtig sei. Dieser Ratschlag ist alt, wird ständig wiederholt – und er ist deutlich schwächer belegt, als sein Ruf vermuten lässt.
Ein Team der University of Texas at Austin (UT Austin) suchte gezielt nach Jugendlichen, die so gut wie nie frühstücken.
Sie fanden 128 von ihnen und begannen, Frühstücksmahlzeiten direkt zu ihnen nach Hause zu liefern. Geleitet wurde die Studie von der Doktorandin Emma Rose Brown.
„Obwohl die meisten Amerikaner glauben, dass Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist, gibt es nicht viele Belege, die diese Idee stützen“, sagte Brown.
„Wir wollten untersuchen, ob der Verzehr eines proteinreichen Frühstücks die Nährstoffaufnahme erhöht und über den Tag hinweg zu einem gesünderen Essverhalten beiträgt.“
Frühstückspläne für Jugendliche
Die Teilnehmenden waren eher ältere Jugendliche: im Mittel etwa 19 Jahre alt, mit einer Spanne von 14 bis 21 Jahren, und mit einem durchschnittlichen Body-Mass-Index nahe 25.
Alle liessen das Frühstück mindestens sechsmal pro Woche aus.
Browns Team teilte sie in drei Gruppen ein. Eine Gruppe erhielt ein Frühstück mit normalem Proteingehalt, eine zweite ein proteinreiches Frühstück, und die dritte setzte das Weglassen fort und trank vor 10 Uhr nur Wasser.
Jedes Frühstück lieferte rund 350 kcal bei vergleichbarem Fettanteil.
Die Variante mit normalem Proteingehalt enthielt 11 Gramm Protein und mehr Kohlenhydrate; bei der proteinreichen Version wurde ein Teil dieser Kohlenhydrate reduziert, um auf 30 Gramm Protein zu kommen.
Beim Essen setzte das Team auf Dinge, die Jugendliche tatsächlich wählen: Burritos, Quesadillas, Rührei-Variationen und Smoothies.
Über die sechs Monate hinweg packte das Team mehr als 18.000 dieser Mahlzeiten.
Kühlboxen für drei Tage
Zu erfassen, was Jugendliche zu Hause essen, ist schwierig – daher stützte sich das Studiendesign auf Kühlboxen. Zu Beginn sowie nach drei und nach sechs Monaten nahm jede teilnehmende Person eine Kühlbox mit vorbereiteten Speisen für drei Tage mit nach Hause.
Zwei dieser Tage lagen an Werktagen, einer am Wochenende. Gegessen werden konnte so viel oder so wenig, wie man wollte.
Anschliessend wogen die Forschenden, was zurückkam, und liessen jede Person zudem einen vollständigen Tag der Nahrungsaufnahme aus dem Gedächtnis schildern.
Alle erinnerten Lebensmittel wurden in eine Ernährungssoftware eingegeben; die gewogenen Reste dienten dazu, diese Angaben mit dem abzugleichen, was in den Kühlboxen tatsächlich fehlte.
Die Mitarbeit blieb insgesamt hoch. Die Teilnehmenden verzehrten die bereitgestellten Mahlzeiten in über 90 Prozent der Fälle.
Frühstück lieferte Jugendlichen mehr Nährstoffe
An der Energiemenge änderte sich kaum etwas. Über alle Gruppen hinweg lagen die Werte im Schnitt bei etwa 2.200 kcal pro Tag, ohne erkennbaren Unterschied zwischen den Gruppen.
Der Unterschied zeigte sich in der Qualität: Beide Frühstücksgruppen nahmen mehr Ballaststoffe, Eisen, Zink und Cholin auf als die Jugendlichen, die weiter frühstückten, indem sie gar nicht frühstückten.
Beim Protein selbst war der Zuwachs am deutlichsten in der proteinreichen Gruppe: dort stieg die Aufnahme auf fast 99 Gramm pro Tag. Die Gruppe mit normalem Proteingehalt kam auf etwa 88 Gramm, lag damit aber zu nahe an den 78 Gramm der Frühstücksauslassenden, als dass das als klarer Gewinn gewertet werden konnte.
Zudem lag die proteinreiche Gruppe bei zwei Nährstoffen vor der Gruppe mit normalem Proteingehalt: Ihre Mitglieder erreichten am Ende höhere Eisen- und Cholinwerte als die Jugendlichen mit dem eiweissärmeren Frühstück.
Protein senkte zugesetzten Zucker
Das Frühstück beeinflusste auch, wozu die Jugendlichen später am Tag griffen.
Beide Frühstücksgruppen nahmen weniger Kalorien aus Desserts, Süssigkeiten und Bonbons zu sich als die Frühstücksauslassenden – etwa 130 kcal weniger aus Desserts und Süssigkeiten sowie 211 kcal weniger aus Bonbons.
Beim zugesetzten Zucker zeigte sich ein eindeutigeres Muster nur in einer Gruppe: Die Teilnehmenden mit proteinreichem Frühstück reduzierten ihn stärker als sowohl die Gruppe mit normalem Proteingehalt als auch die Frühstücksauslassenden – um ungefähr 95 kcal pro Tag.
„Dies ist eine der grössten und längsten streng kontrollierten Frühstücksstudien bei Jugendlichen“, sagte Brown.
„Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass das Hinzufügen eines Frühstücks, insbesondere eines proteinreichen, ein wirksamer Weg sein könnte, die Nährstoffaufnahme und die Ernährungsqualität bei älteren Jugendlichen zu verbessern.“
Einschränkungen der Studie
Die Ernährungsdaten stammten aus 24-Stunden-Erinnerungsprotokollen, die auf Gedächtnis und Selbstauskunft beruhen. Zudem war die Stichprobe eng gefasst: Es ging um ältere Jugendliche, die regelmässig das Frühstück auslassen – nicht um Kinder und nicht um Erwachsene.
Der Rückgang bei Desserts und Bonbons war ausserdem kein stabiler Befund. Er zeigte sich bei der Kontrolle nach drei Monaten, nicht jedoch nach sechs Monaten; daher ist unklar, ob sich der Effekt über längere Zeit hält.
Ausserdem durften die Teilnehmenden aus jeder Kühlbox beliebig wenig oder viel essen. Damit erfasste das Design vor allem, wofür sie sich entschieden – nicht, wie hungrig sie tatsächlich waren.
Die nächste Frage zum Protein
Das Team verlagert den Fokus nun vom Teller auf die mentale Ebene. Als nächstes soll untersucht werden, wie Frühstücksprotein Heisshunger auf bestimmte Lebensmittel verändert und wie häufig Menschen ans Essen denken.
Als praktisches Ziel nennen die Forschenden die Gewichtskontrolle. Ein besseres Verständnis dafür, wie Frühstücksprotein den Appetit beeinflusst, könnte Gewohnheiten aufzeigen, die helfen, langfristig ein gesundes Gewicht zu halten.
An der nächsten Studie sollen Erwachsene teilnehmen, die GLP-1-Medikamente absetzen – eine Phase, in der der Hunger häufig zurückkehrt. Ob ein proteinbetontes Frühstück diesen Effekt abfedern kann, ist die offene Frage.
Finanziert wurde die Studie vom National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK).
Vorgestellt wurden die Ergebnisse auf der NUTRITION 2026, einer Tagung der American Society for Nutrition (ASN).
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