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Was Liegestütze über die Herzgesundheit verraten: Harvard-Studie

Mann macht Liegestütze zu Hause, daneben Stoppuhr und Notizbuch, im Hintergrund Arztkittel und Herzbild.

Die meisten von uns schätzen ihre Fitness eher nach Gefühl. Wir nennen uns „ziemlich aktiv“, weil wir ab und zu spazieren gehen, hin und wieder die Treppe nehmen oder tagsüber ständig in Bewegung sind.

Doch der Körper erzählt oft eine verlässlichere Geschichte als unsere Erinnerung.

Genau deshalb ist ein einfacher Liegestütz so spannend. Er ist weder spektakulär noch braucht er eine Smartwatch, ein Fitnessgerät, einen Bluttest oder ein Labor.

Trotzdem hat eine Harvard-Studie gezeigt, dass die Fähigkeit, Liegestütze zu schaffen, hilfreiche Hinweise auf die Herzgesundheit liefern kann.

Der Nutzen von Liegestützen liegt nicht darin, dass sie Wunder wirken, sondern darin, dass sie ein überraschend klares Bild der tatsächlichen körperlichen Leistungsfähigkeit geben.

Fitness ist leicht falsch einzuschätzen

Die Herzgesundheit wird von vielen Faktoren beeinflusst. Blutdruck und Cholesterin sind wichtig. Rauchen, Diabetes, Gewicht, Schlaf, Stress und tägliche Bewegung spielen ebenfalls eine Rolle.

Viele dieser Werte lassen sich bei einer Routineuntersuchung gut erfassen. Fitness hingegen ist in einer normalen Sprechstunde deutlich schwieriger objektiv zu bestimmen.

Ein Belastungstest auf dem Laufband kann zwar nützliche Daten liefern, er erfordert jedoch Geräte, Zeit, geschultes Personal und Geld. Die meisten Menschen bekommen so einen Test nicht, ausser es gibt einen konkreten medizinischen Anlass.

Liegestütze sind anders: Sie sind schnell, kostenlos und unkompliziert. Entweder man schafft sie, oder eben nicht. Genau das macht sie zu einem praktischen Blickfenster auf die grundlegende körperliche Leistungsfähigkeit.

Gesundheit mit Liegestützen testen

In den letzten Jahren untersuchten Forschende aus Harvard männliche Feuerwehrleute in Indiana.

Für die Studie eigneten sich Feuerwehrleute besonders gut, weil sie häufig regelmässige Gesundheitschecks haben und ihr Beruf körperliche Belastbarkeit verlangt.

Die Forschenden werteten Daten von mehr als 1,500 Feuerwehrleuten aus zehn Feuerwachen aus. In die finale Analyse gingen 1,104 Männer ein, für die Ergebnisse eines Liegestütz-Tests vorlagen.

Diese Männer hatten zwischen 2000 und 2007 körperliche Untersuchungen. Anschliessend wurde ihre Gesundheit bis zu zehn Jahre lang weiterverfolgt.

Erfasst wurden Herz- und Gefässerkrankungen, darunter koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und plötzlicher Herztod.

Der Test war einfach

Die Feuerwehrleute machten Liegestütze im Takt eines Metronoms, das auf 80 Schläge pro Minute eingestellt war.

Beendet wurde der Test, wenn jemand 80 Liegestütze erreicht hatte, mehrmals aus dem Rhythmus geriet oder wegen Erschöpfung beziehungsweise wegen Beschwerden abbrach.

Danach teilten die Forschenden die Teilnehmer danach ein, wie viele Liegestütze sie während des Tests schafften.

Die Gruppen reichten von 0 bis 10 Liegestütze, 11 bis 20 Liegestütze, 21 bis 30 Liegestütze und 31 bis 40 Liegestütze; die höchste Kategorie umfasste diejenigen, die mehr als 40 Liegestütze ausführen konnten.

So liessen sich Fitnessniveaus vergleichen und über das folgende Jahrzehnt beobachten, wie sie mit der Herzgesundheit zusammenhingen.

Dann stand die zentrale Frage im Raum: Sagen diese Zahlen etwas darüber aus, wer später Herzprobleme bekommt?

Mehr Liegestütze, geringeres Risiko

Im Beobachtungszeitraum traten 37 herzbezogene Ereignisse auf.

Das Muster war eindeutig: Männer mit 10 oder weniger Liegestützen hatten das höchste Risiko. Wer mehr als 40 Liegestütze schaffte, wies ein deutlich geringeres Risiko auf.

Konkret hatten Feuerwehrleute mit mehr als 40 Liegestützen eine um 96 Prozent niedrigere Rate kardiovaskulärer Ereignisse als diejenigen, die 10 oder weniger schafften.

Das klingt sehr eindrucksvoll, muss aber richtig eingeordnet werden. Die Untersuchung belegt nicht, dass Liegestütze allein Herzkrankheiten verhindern. Sie zeigt, dass die Liegestütz-Leistung stark mit einem geringeren Risiko verbunden war.

Trotzdem ist das Ergebnis bedeutsam: Ein einfacher Test auf dem Boden lieferte den Forschenden ein klares Signal für die spätere Herzgesundheit.

Nicht nur Armkraft

Es liegt nahe zu denken, Liegestütze würden nur Brust- und Armkraft abbilden. Tatsächlich steckt mehr dahinter.

Ein Liegestütz beansprucht Schultern, Brust, Arme, Rücken, Rumpf und Beine. Zudem spielen Körpergewicht, Atmung, Gleichgewicht und Ausdauer eine Rolle.

Damit kann die Zahl der Liegestütze ein Indikator für die allgemeine Fitness sein - und zugleich für Gewohnheiten im Alltag.

In der Studie hatten Männer mit höheren Liegestütz-Zahlen häufig einen günstigeren Blutdruck, bessere Cholesterinwerte, niedrigeren Blutzucker, niedrigere Triglyceride und einen niedrigeren Body-Mass-Index. Ausserdem rauchten sie seltener.

Die Liegestütz-Zahl stand somit nicht nur für Muskelkraft, sondern für ein grösseres Gesundheitsbild.

Ein einfacher Test für den Körper

Zusätzlich absolvierten die Feuerwehrleute Laufbandtests. Damit wurde die aerobe Fitness geschätzt - also wie gut Herz und Lunge körperliche Belastung unterstützen.

Belastungstests auf dem Laufband geniessen bei vielen Fachleuten hohes Ansehen. In dieser Studie zeigte jedoch die Liegestütz-Leistung einen klareren Zusammenhang mit dem späteren Herzrisiko als die Laufband-Schätzwerte.

„Push-up capacity, a simple, no-cost measure, may provide a surrogate estimate of functional status among middle-aged men,“ hielten die Forschenden fest.

Darin steckt eine wichtige Aussage: Ein sehr einfacher Test kann Hinweise darauf geben, wie leistungsfähig der Körper im Alltag tatsächlich ist.

Ärztinnen und Ärzte brauchen einfache Werkzeuge

An diesem Punkt wird die Studie auch ausserhalb der Feuerwache relevant.

Viele Praxen verfügen nicht über ein Belastungslabor. Viele Arbeitsplätze können keine aufwendigen Fitnessdiagnostiken durchführen. Und viele Menschen haben keinen Zugang zu teuren Gesundheitschecks.

Für einen Liegestütz-Test dagegen findet sich fast überall Platz - in der Praxis, im Fitnessstudio, am Arbeitsplatz oder zu Hause.

„How many you can do at one time offers a real-time measurement of your strength and muscular endurance and is an easy tool to help you improve,“ sagte Dr. Edward Phillips, Professor für Physikalische Medizin in Harvard, der nicht an der Studie beteiligt war.

„You can do them anywhere and at any time. All you need is your body weight and a few minutes.“

Genau das macht den Reiz aus: Das Ergebnis ist leicht zu verstehen. Und es kann eine sinnvolle Diskussion anstossen - über Bewegung, Kraft, Gewicht, Rauchen, Blutdruck und das persönliche Herzrisiko.

Grenzen der Studie

Die Untersuchung hatte Einschränkungen. Sie bezog sich ausschliesslich auf Männer - und alle waren Feuerwehrleute.

Damit ist unklar, ob die Ergebnisse in gleicher Weise auf Frauen, ältere Menschen, weniger aktive Personen, Menschen mit Behinderungen oder Menschen mit bereits bestehender Herzerkrankung übertragbar sind.

Ausserdem wurde nur ein Zusammenhang gezeigt, kein Beweis für Ursache und Wirkung. Es ist nicht belegt, dass mehr Liegestütze das Herzrisiko direkt senken.

Möglicherweise können gesündere Menschen schlicht mehr Liegestütze. Für belastbare Aussagen braucht es weitere Studien mit grösseren und vielfältigeren Gruppen.

Dein Körper gibt Hinweise

Die wichtigste Botschaft ist nicht, dass jede Person 40 Liegestütze schaffen muss.

Die eigentliche Aussage ist einfacher: Entscheidend ist, was der Körper leisten kann. Kraft, Ausdauer, Bewegung und Herzgesundheit sind eng miteinander verknüpft.

Liegestütze ersetzen weder ärztlichen Rat noch Bluttests, Blutdruckmessungen oder medizinische Behandlung. Sie können aber einen schnellen Hinweis auf die eigene Fitness geben.


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