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Studie 2014–2024 aus São Paulo zeigt wachsende Ungleichheit bei Bewegung in der Freizeit

Eine Frau joggt auf einem Bürgersteig, während eine andere Frau mit Einkaufstüten auf der Straße geht.

Ein über zehn Jahre laufendes Forschungsprojekt mit Einwohnerinnen und Einwohnern von São Paulo zeigt, dass die Ungleichheit bei Bewegung in der Freizeit zunimmt – und dass die Kluft zwischen sozialen Gruppen weiter auseinandergeht.

Während hochgebildete weisse Männer so viel Freizeit-Sport treiben wie nie zuvor, verharren Women of Colour mit niedrigerem Bildungsniveau bei den geringsten Quoten an körperlicher Aktivität in der Freizeit.

Ganz anders sieht es beim Zufußgehen als Verkehrsmittel aus: Diese Form der Bewegung ist in der Bevölkerung deutlich gleichmäßiger verteilt.

Geleitet wurde die Untersuchung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Universität São Paulo (USP).

Das Team begleitete 978 Teilnehmende von 2014 bis 2024 und erhob die Daten zu drei Zeitpunkten: 2014/15, 2020/21 und 2023/24.

Die Wurzeln der Ungleichheit beim Sport

Auch wenn Forschende im Globalen Norden bereits untersucht haben, wie soziale Faktoren die Teilnahme an Sport beeinflussen, gilt diese Arbeit in ihrem Umfeld als ein wegweisender Beitrag.

Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich überlappende soziale Merkmale – sogenannte intersektionale soziale Identitäten – über die Zeit auf Chancen und Möglichkeiten auswirken.

Aus den Ergebnissen leiten die Autorinnen und Autoren ab, dass staatliche Programme zur Förderung von Bewegung und Freizeitaktivitäten besonders die vulnerabelsten Gruppen in den Fokus nehmen sollten.

„Wir kamen zu dem Schluss, dass körperliche Aktivität in der Freizeit nicht nur von Motivation oder individueller Entscheidung abhängt. Sie wird durch Umwelt-, strukturelle und soziale Faktoren geprägt“, sagte die korrespondierende Autorin Andreia Alexandra Machado Miranda, Ernährungswissenschaftlerin an der USP.

„Wir stellten fest, dass die Ungleichheiten bestehen blieben und sich die Unterschiede zwischen den Gruppen über zehn Jahre Nachbeobachtung vergrößerten.“

„Leider bleibt diese Art von Aktivität ein Privileg der sozial am stärksten begünstigten Gruppen, die wir als weisse Männer mit höherem Bildungsniveau identifizierten.“

„Umgekehrt sind die vulnerabelsten Personen Schwarze, braune, asiatische oder indigene Frauen mit weniger Schuljahren.“

Bewegung hängt von mehr ab als Willenskraft

Florindo ordnete die Resultate mithilfe des ökologischen Modells körperlicher Aktivität ein. Dieser Ansatz unterstützt dabei, die grundlegenden Faktoren zu erkennen, die darüber entscheiden, ob Menschen tatsächlich aktiv werden.

„Wir arbeiten mit dem ökologischen Modell körperlicher Aktivität, dessen Hauptziel darin besteht, sie über ihre Determinanten zu erklären“, sagte Florindo.

„Ob man sich darauf einlässt, hängt nicht allein von der Bereitschaft der Menschen ab, sondern hat auch mit den Erfahrungen zu tun, die sie im Verlauf ihres Lebens machen können.“

„Es gibt eine deutliche Lücke zwischen denen, die in ihrer Freizeit körperlich aktiv sein können, und denen, die es nicht können – selbst wenn sie es möchten.“

Wie groß diese Lücke ist, zeigen die Zahlen: In der ersten Erhebung lag die Prävalenz von Freizeitaktivität bei 51 Prozent unter hochgebildeten weissen Männern, aber bei 29 Prozent in der vulnerabelsten Gruppe.

In der dritten Erhebungsphase stiegen diese Werte auf 65 Prozent beziehungsweise 39 Prozent – die Differenz zwischen beiden Gruppen nahm damit über das Jahrzehnt hinweg zu.

Hürden halten Frauen von Aktivität ab

Miranda nennt konkrete Barrieren, die es Frauen besonders schwer machen, Sport im Alltag zu priorisieren.

„Zusätzlich zu einer ungleichen Verteilung der Hausarbeit verdienen sie häufig weniger und erleben mangelnde Sicherheit, wenn sie öffentliche Räume aufsuchen.“

„Je nach Stadtteil, in dem sie leben, vor allem in Randlagen, fehlt es an städtischer Infrastruktur, es gibt schlecht beleuchtete Bereiche und nur wenige Freiflächen.“

Um diese sich überlagernden Einflüsse abzubilden, kombinierten die Forschenden persönliche und дистанzbasierte Interviews mit der Langversion des International Physical Activity Questionnaire sowie einem Multiple Jeopardy Index.

Dieser Index bündelt Angaben zu Geschlecht, „race“ bzw. Hautfarbe und Bildungsabschluss zu einem einzigen Wert von 0 (am wenigsten vulnerabel) bis 4 (am stärksten vulnerabel).

Bewegung als Public-Health-Thema

Regelmäßige Bewegung stärkt nicht nur allgemein das körperliche und psychische Wohlbefinden, sondern bringt auch konkrete gesundheitliche Vorteile.

Sie senkt das Risiko für Schlaganfälle und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unterstützt Gewichtskontrolle und den Umgang mit Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und trägt zur Immunfunktion bei.

Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen 150 bis 300 Minuten Aktivität mit moderater Intensität pro Woche.

Alternativ gelten 75 bis 150 Minuten Aktivität mit hoher Intensität als Ziel. Dazu zählen unter anderem Gehen, Laufen, Schwimmen, Radfahren, Tanzen und Mannschaftssport.

Aktuelle Zahlen zeigen jedoch, dass im Jahr 2022 – dem jüngsten Jahr mit verfügbaren globalen Daten – fast ein Drittel der Erwachsenen weltweit, rund 1,8 Milliarden Menschen, diese Mindestempfehlungen nicht erreichte.

Sitzende Lebensweisen werden mit ungefähr 5 Millionen Todesfällen pro Jahr in Verbindung gebracht.

In Brasilien lag 2024 laut Daten des Gesundheitsministeriums der Anteil der Erwachsenen, die mindestens 150 Minuten moderate körperliche Aktivität pro Woche erreichten, bei 42,3 Prozent. Bis 2030 soll dieser Wert auf 50,7 Prozent steigen.

Nach Geschlecht aufgeschlüsselt liegen die aktuellen Anteile bei 47,7 Prozent für Männer und 37,9 Prozent für Frauen.

Pendeln zu Fuß schafft mehr Ausgleich

Zusätzlich analysierte das Forschungsteam das Gehen als Fortbewegungsart – und hier zeigte sich ein völlig anderes Muster.

So fand die Studie keinen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Index sozialer Vulnerabilität und körperlicher Aktivität, die durch das Pendeln entsteht.

Insgesamt nahm das Zufußgehen für Wege im Alltag im Verlauf der Studie sogar zu: von 61,8 Prozent in der ersten Erhebung auf 71,6 Prozent in der dritten.

Am häufigsten war diese Aktivität bei jungen Schwarzen oder „mixed-race“-Männern mit einem High-School-Abschluss – also in einer Gruppe, die sich klar von derjenigen unterscheidet, die beim Freizeit-Sport dominiert.

„Es ist möglich, dass Faktoren wie der Zugang zum öffentlichen Nahverkehr, Merkmale des Wohnumfelds und sozioökonomische Bedingungen diese Art des Pendelns beeinflussen.“

„Unsere Studie fand jedoch keinen statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen dem Index sozialer Vulnerabilität und dieser Art körperlicher Aktivität.“

Die Autorinnen und Autoren betonen zudem, dass Gehen auf dem Weg zur Arbeit oder zu Terminen leicht in Routinen passt. Es bringt gesundheitliche Vorteile und kann die Nutzung öffentlicher sowie geteilter Verkehrsmittel gegenüber dem privaten Auto fördern.

Die Geografie der Ungleichheit beim Sport

Die Ausgangsstichprobe stammte aus der kommunalen Gesundheitsbefragung der Stadt São Paulo.

Diese Erhebung sammelt Daten zu Gesundheit und zur Inanspruchnahme von Leistungen, um politische Entscheidungen zu unterstützen. Später ging sie in die longitudinale ISA-Studie zu körperlicher Aktivität und Umwelt über, die dieselbe Bevölkerung über ein ganzes Jahrzehnt begleitete.

Die Stichprobe wurde über fünf Gesundheitszonen innerhalb São Paulos geschichtet – einer Stadt, die durch ausgeprägte sozio-räumliche Ungleichheiten gekennzeichnet ist.

Etwa 963.700 Haushalte, in denen 22,5 Prozent der Stadtbevölkerung leben, befinden sich in Gebieten, die nach dem São-Paulo-Index sozialer Vulnerabilität als hoch oder sehr hoch vulnerabel eingestuft werden.

Auch wenn das nicht im direkten Fokus der vorliegenden Analyse lag, zeigte frühere Forschung, dass sozial vulnerable Stadtteile in São Paulo zudem stärker Wärmeinseln ausgesetzt sind.

Dieses Muster konzentriert sich auf östliche, nördliche und südliche Randzonen, die messbar heißer sind als der übrige Stadtraum.

Sport leichter zugänglich machen

Vor diesem Hintergrund unterstreichen die Autorinnen und Autoren die Notwendigkeit integrierter öffentlicher Strategien, die gesundheitliche Chancengleichheit fördern und mehr Möglichkeiten für körperliche Aktivität schaffen – im Einklang mit den Zielen für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen.

Florindo verweist als Beispiel auf den jüngsten Ausbau von Radwegen in São Paulo: Diese Maßnahme habe bereits messbare Effekte gezeigt und mehr Menschen zum Radfahren motiviert.

In einer separaten Studie, die er koordinierte, erwies sich ein Radweg im Umkreis von 500 m (1.640 Fuß) um die Wohnung als entscheidender Faktor, um das Radfahren zu fördern.

Die Forschungsgruppe wertet den Datensatz weiterhin aus, um zusätzliche Variablen zu untersuchen, die mit Gesundheit und körperlicher Aktivität zusammenhängen.


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