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Gewichtsverlust bei Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann das Risiko erhöhen

Frau beim Spaziergang am Meer mit Hand auf Brust, im Vordergrund Waage, Maßband und Obstschale auf Tisch.

Eine der prägenden Erinnerungen an meine Teenagerzeit ist etwas, das ich heute als Fixierung auf Gewichtskontrolle einordne.

Schlanksein galt als Ideal, und Zeitschriften warben mit den unterschiedlichsten Diäten. Jede versprach schnelle Wirkung – meist illustriert mit Bildern schöner, sehr schlanker Models.

Vieles daran hat sich bis heute kaum verändert.

Diäten, intermittierendes Fasten, Operationen zur Gewichtsreduktion und – seit einiger Zeit – Abnehmspritzen werden weiterhin als Ausweg aus überflüssigen Kilos vermarktet. Ein „gesundes“ Gewicht zu erreichen, gilt weithin als Grundvoraussetzung für das allgemeine Wohlbefinden.

Was Studien zu Gewicht und Sterblichkeit bislang nahelegten

Zahlreiche Untersuchungen haben sich damit beschäftigt, wie Gewichtsveränderungen mit Sterblichkeit zusammenhängen – ebenso wie die Sterblichkeit bei Menschen mit Adipositas und Herzerkrankungen. Häufig wird daraus abgeleitet, dass zu viel Gewicht ungesund sei und dass Menschen mit Adipositas und Herzkrankheiten abnehmen sollten.

Was unsere neue Studie bei Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zeigt

Ergebnisse einer aktuellen Studie, an der ich als Ko-Autorin beteiligt war, stellen diese Annahme jedoch infrage. Unsere Auswertung deutet darauf hin, dass ein deutlicher Gewichtsverlust – mehr als 10 kg – bei Menschen mit Adipositas und Herz-Kreislauf-Erkrankungen das Risiko eines frühen Todes sogar erhöhen kann.

Grundlage der Studie waren Daten von über 8.000 Teilnehmenden aus der UK Biobank, einer umfangreichen Ressource für die medizinische Forschung, die auch genetische Daten umfasst.

Zwar ist bekannt, dass eine rasche Gewichtsabnahme auf zugrunde liegende Gesundheitsprobleme hinweisen und schwere Komplikationen nach sich ziehen kann. In unserer Untersuchung wurden Gewichtsveränderungen jedoch über durchschnittlich neun Jahre beobachtet – wobei die Veränderungen bei einigen Teilnehmenden dennoch vergleichsweise schnell eintraten.

Damit entsteht ein Paradox: Sowohl Adipositas als auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind mit einem erhöhten Risiko für einen frühen Tod verbunden. Bei Menschen, die beides haben, kann ausgerechnet eine Gewichtsabnahme – eigentlich gedacht als gesundheitliche Verbesserung – den gegenteiligen Effekt haben.

Die Verbindung zwischen Körpergewicht und Krankheit ist komplex.

Obwohl Adipositas zu Herz-Kreislauf-Problemen beiträgt, zeigen Studien zugleich ein erhöhtes Risiko für einen frühen Tod bei Menschen mit chronischer Herzinsuffizienz, die schlank sind. Auch bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit wurde ein erhöhtes Risiko beobachtet, wenn das Gewicht stark schwankt.

Die Adipositasraten steigen – doch ein reiner Fokus auf Gewichtsabnahme ist möglicherweise nicht die Lösung.

Variabilität beim Abnehmen

Damit Abnehmen tatsächlich wirksam ist, müssen wir die vielfältigen Ursachen von Gewichtszunahme berücksichtigen – und die unterscheiden sich von Person zu Person. Gene beeinflussen Appetit und Stoffwechsel erheblich. Zudem können sie auch Lebensstilfaktoren mitprägen, etwa Überessen, zu wenig Bewegung und ungünstige Ernährungsentscheidungen, die zu Adipositas beitragen.

In unserer Studie konnten meine Kolleginnen und Kollegen und ich nicht alle Faktoren erfassen, die hinter der Adipositas der Teilnehmenden standen, oder welche Methoden sie zur Gewichtsabnahme genutzt hatten.

Das bedeutet, dass wir nicht abschliessend sagen können, welche Strategien zur Gewichtsreduktion – ob in Bezug auf Dauer, Ernährung oder körperliche Aktivität – die grössten Risiken bergen.

Auch der gängige Ansatz, ein „gesundes“ Gewicht über den Body-Mass-Index (BMI) zu definieren, passt möglicherweise nicht für alle. Der BMI wird zunehmend als begrenzt aussagekräftig erkannt.

Einige Menschen können höhere Gewichte offenbar vertragen, ohne dass sich negative gesundheitliche Folgen zeigen. Die entscheidende Frage ist daher weniger, wie schnell Gewicht grundsätzlich reduziert werden sollte, sondern wie schnell es für die einzelne Person sinnvoll ist.

Auf Basis der derzeitigen Evidenz lässt sich kein idealer Gewichtsbereich bestimmen, der für alle Menschen nachweislich gesundheitsförderlich ist. Dennoch zeichnen sich interessante Muster in verschiedenen Ländern ab.

So weist Tonga eine hohe Adipositasrate auf, verzeichnet aber deutlich niedrigere Raten an herzkrankheitsbedingten Todesfällen als viele europäische Länder, in denen Adipositas weniger verbreitet ist. Tonga meldet ausserdem niedrigere Werte bei Alkoholkonsum und Suizid als die meisten europäischen Staaten.

Gesundheit umfasst körperliches und psychisches Wohlbefinden. Wenn der Blick stärker auf ganzheitliches Wohlbefinden und Zufriedenheit gerichtet wird, könnten sich nachhaltigere gesundheitliche Vorteile ergeben. Eine Behandlung von Adipositas braucht einen umfassenden Ansatz, der alle zugrunde liegenden Faktoren berücksichtigt, die zu dieser Erkrankung beitragen.

Barbara Pierscionek, Professorin und stellvertretende Dekanin, Forschung und Innovation, Anglia Ruskin University

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz erneut veröffentlicht (Quelle: The Conversation). Lesen Sie den Originalartikel.


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