Whey-Protein, ein Supplement, das früher fast ausschliesslich mit der Fitness-Szene verbunden wurde, übernimmt zunehmend eine neue Funktion in der Adipositastherapie – und wird gleichzeitig weltweit teurer. In den vergangenen Monaten ist der internationale Preis für Molkenprotein deutlich gestiegen. Treiber sind globale Veränderungen im Ernährungsverhalten, eine wachsende Nachfrage nach hyperproteinreichen Ernährungsformen sowie Belastungen entlang der Milchwirtschafts- und Lieferkette. Diese Entwicklung macht sich bereits im Portemonnaie derjenigen bemerkbar, die das Produkt als Unterstützung beim Abnehmen, zur Muskel-Erhaltung und für die metabolische Gesundheit einsetzen.
Nach Angaben von Dr. Ramon Marcelino, Arzt am Hospital das Clínicas der medizinischen Fakultät der Universität São Paulo (HCFMUSP) und Referenz in Lifestyle-Medizin sowie Adipositasbehandlung, erfordert die Lage besondere Aufmerksamkeit – vor allem bei Patientinnen und Patienten, die GLP-1-Analoga wie Semaglutid und Tirzepatid (Ozempic und Mounjaro) verwenden.
„Diese Medikamente haben die Behandlung der Adipositas revolutioniert, aber sie haben auch eine wichtige Sorge mit sich gebracht: die Muskelmasse während der Gewichtsabnahme zu erhalten. Da viele Patientinnen und Patienten weniger essen, wird eine ausreichende Proteinzufuhr entscheidend“, erläutert er.
Auswirkungen des Preisanstiegs bei Whey-Protein
Whey-Protein hat sich vor allem wegen seiner Alltagstauglichkeit und der hohen Proteinkonzentration bei geringem Volumen in den Vordergrund geschoben – ein Vorteil, der besonders relevant ist, wenn der Appetit stark reduziert ist. „Das Problem ist, dass die gestiegene weltweite Nachfrage die Preise nach oben getrieben hat. Dadurch entsteht eine reale Herausforderung: Genau in dem Moment, in dem Protein klinisch wichtiger wird, kann es für einen Teil der Bevölkerung weniger erreichbar werden“, sagt Dr. Ramon Marcelino.
Aus seiner Sicht zeigt dieses Muster, wie eng Medizin und Lebensmittelmarkt inzwischen miteinander verzahnt sind. „Anti-Adipositas-Behandlungen verändern nicht nur, wie Menschen abnehmen, sondern auch das globale Ernährungsverhalten. Das wirkt sich bereits direkt auf Produktionsketten und die Preisbildung proteinreicher Lebensmittel aus“, betont er.
Alternativen, um eine Portion Whey-Protein zu ersetzen
Wer Whey-Protein ersetzen möchte, kann verschiedene proteinreiche Lebensmittel in den Alltag integrieren. „Whey ist ein hervorragendes Werkzeug, aber nicht die einzige Möglichkeit, das Proteinziel zu erreichen. Mit der richtigen Anleitung ist es absolut machbar, eine Ernährungsstrategie auf Basis von Lebensmitteln oder anderen, günstigeren Proteinquellen aufzubauen“, rät Dr. Ramon Marcelino.
Mögliche Alternativen sind unter anderem:
- Ei: Vier grosse Eier liefern ungefähr 24 g Protein, machen gut satt und bieten ein sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis;
- Hähnchenbrust: Rund 100 g enthalten etwa 22 g bis 25 g Protein; eine der wirtschaftlichsten Optionen mit hoher Sättigung;
- Griechischer Joghurt mit Milchpulver: Die Kombination sorgt für eine gute Proteindichte und wird häufig gut akzeptiert;
- Isoliertes Sojaprotein: günstiger als Whey-Protein und zunehmend als praktische Alternative gefragt;
- Thunfisch aus der Dose: vielseitige Proteinquelle, sofort verzehrfertig. Hier ist wegen des Natriumgehalts Vorsicht geboten;
- Fester Tofu: eine gute pflanzliche Option, um den Speiseplan zu variieren.
Worauf sollte man bei der Auswahl des Ersatzes achten?
Laut Dr. Ramon Marcelino zählt nicht nur die reine Proteinmenge. Ebenso wichtig sind Aspekte wie praktische Umsetzbarkeit, Verträglichkeit, Sättigung und die langfristige Umsetzung im Alltag. „Die beste Strategie ist die, die die Patientin oder der Patient im Tagesablauf beibehalten kann. Oft liefern einfache und erschwingliche Lebensmittel hervorragende Ergebnisse, wenn sie über den Tag hinweg sinnvoll verteilt werden“, erklärt er.
Gleichzeitig macht nach Aussage des Arztes eine professionelle Begleitung den Unterschied, um den Verlust fettfreier Masse zu vermeiden – besonders bei Menschen über 40, bei älteren Personen sowie bei Patientinnen und Patienten, die Medikamente zur Gewichtsreduktion nutzen. „Im aktuellen Kontext ist Protein keine rein ästhetische Frage mehr. Es ist zu einem zentralen Baustein der metabolischen Gesundheit, des Funktionserhalts und der Lebensqualität während der Gewichtsabnahme geworden“, schliesst er.
Von Samara Meni
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