Während der Fussball-Weltmeisterschaft verfolgen viele Fans die Spiele mit kaum Bewegung, reichlich kalorienreichen Snacks und regelmässigem Alkoholkonsum. In Turnierphasen und bei grossen Wettbewerben, wenn nahezu täglich Partien stattfinden, kann diese Mischung die Freizeit schnell zu einem Auslöser für gesundheitsschädliche Gewohnheiten machen.
Dabei geht es nicht nur um zusätzliche Kilos: Längere Phasen sitzender Lebensweise in Kombination mit unausgewogener Ernährung und zu viel Alkohol können das Risiko erhöhen, dass chronische Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas, erhöhte Cholesterinwerte und weitere Gesundheitsprobleme sich verschlimmern.
„Es gibt einen interessanten Widerspruch: Wir schauen Athleten in körperlicher Höchstleistung zu, während wir selbst stundenlang völlig still sitzen. Fussball kann aber auch ein Anstoss sein, sich an die Bedeutung von Bewegung und Gesundheitsvorsorge zu erinnern“, erklärt Pedro Araguez, Medizinischer Direktor von Leve Saúde.
Laut dem Arzt reichen schon kleine Anpassungen im Tagesablauf, um die Auswirkungen von zu viel Sitzen abzumildern. Hier sind 5 Empfehlungen, wie Sie Spiele schauen können, ohne die Gesundheit aus dem Blick zu verlieren.
1. Nutzen Sie die Pausen, um in Bewegung zu kommen
Wer in der Halbzeit aufsteht, kurz durch die Wohnung geht, Beine und Rücken dehnt oder ein paar Treppenstufen steigt, bringt den Kreislauf in Schwung und reduziert die Folgen langen Sitzens. „Unser Körper ist nicht dafür gemacht, viele Stunden am Stück unbeweglich zu bleiben. Kurze Unterbrechungen machen bereits einen Unterschied für Durchblutung, Muskulatur und Stoffwechsel“, sagt Pedro Araguez.
2. Machen Sie aus jedem Spiel keinen Ess-Marathon
Bei Fussball-Marathons steigt häufig im Laufe der Woche der Konsum von Frittiertem, Wurstwaren, Fast Food, Softdrinks und Alkohol. Problematisch wird es, wenn aus einer Ausnahme eine Gewohnheit wird. „Häufiger Überschuss an ultraverarbeiteten Lebensmitteln und alkoholischen Getränken begünstigt Gewichtszunahme, steigenden Blutdruck und Veränderungen des Blutzuckerspiegels“, warnt der Arzt.
Empfohlen ist ein ausgewogenes Vorgehen mit leichteren Alternativen wie belegten Vollkornbroten, Popcorn ohne übermässig Butter, Obst, Nüssen sowie ausreichender Flüssigkeitszufuhr.
3. Geben Sie körperliche Aktivität nicht komplett auf
Auch in Wochen mit vielen Spielen hilft ein Mindestmass an Bewegung dabei, die zusätzliche sitzende Zeit auszugleichen. Spaziergänge, kurze Einheiten zu Hause oder das Mitverfolgen der Partie auf dem Heimtrainer können gute Optionen sein. „Es ist nicht nötig, jeden Tag lange Trainingseinheiten zu absolvieren. Entscheidend ist, dass die Bewegungsroutine nicht komplett abreisst“, erklärt der Mediziner.
4. Alkohol und Schlaf im Blick behalten
Abendspiele gehen nicht selten mit Alkohol einher – und mit zu wenig Schlaf, vor allem bei internationalen Turnieren, wenn Partien in der Nacht laufen. Nach Angaben von Pedro Araguez kann die Kombination aus Schlafmangel und zu viel Alkohol das kardiovaskuläre Risiko erhöhen, die Erholung verschlechtern und Konzentration, Stimmung sowie Energie beeinträchtigen. „Schlaf spielt eine zentrale Rolle für die Regeneration des Körpers. Wenn er wiederholt gestört wird, zeigt der Organismus die Folgen“, betont er.
5. Menschen mit chronischen Erkrankungen brauchen besondere Vorsicht
Wer bereits mit Bluthochdruck, Diabetes, Adipositas oder hohen Cholesterinwerten lebt, sollte in Phasen mit mehr sitzender Lebensweise besonders aufmerksam sein. Viele Stunden im Sitzen – zusammen mit reichlich Alkohol und Lebensmitteln, die viel Fett und Salz enthalten – können bestehende Beschwerden verschärfen.
„Menschen mit chronischen Erkrankungen müssen ihre Gesundheitsroutine auch in Freizeitphasen konsequent beibehalten. Der Körper reagiert schnell auf Übermass, besonders wenn mehrere Risikofaktoren gleichzeitig auftreten“, bekräftigt der Medizinische Direktor von Leve Saúde.
Für den Experten steht vor allem das Gleichgewicht im Vordergrund. „Fussball ist Freizeit, Kultur und gemeinsames Erleben. Ideal ist es, diesen Moment zu geniessen, ohne die Gesundheit auf die Ersatzbank zu setzen“, schliesst er.
Von Kenia Pereira
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