Du brauchst weder eine Mitgliedschaft im Fitnessstudio noch Kurzhanteln oder teures Equipment, um stärker zu werden.
Seit es Menschen gibt, steht uns das wichtigste „Trainingsgerät“ für Krafttraining zur Verfügung: der eigene Körper.
Krafttraining ohne zusätzliche Gewichte oder Maschinen nennt man „Körpergewichtstraining“.
Von Liegestützen und Kniebeugen über Planks bis hin zu Klimmzügen zählt Körpergewichtstraining heute zu den beliebtesten Trainingsformen – weil es nahezu überall möglich ist und nichts kostet.
Was steckt dahinter, warum ist es wirksam – und wie fängst du am besten an?
Was ist Körpergewichtstraining?
Körpergewichtstraining bedeutet, dass du dein eigenes Körpergewicht als Widerstand nutzt – statt externer Gewichte wie Langhanteln oder Kurzhanteln.
Zu den typischen Übungen gehören Liegestütze, Kniebeugen, Ausfallschritte und Sit-ups.
Darüber hinaus gibt es statische Halteübungen, bei denen du die Muskulatur forderst, ohne dich zu bewegen – etwa Planks oder Yoga-Positionen.
Körpergewichtstraining lässt sich für jede Muskelgruppe einsetzen. Häufig werden Übungen nach Bewegungsart und/oder Körperregion eingeteilt:
- Oberkörper: Liegestütze, Klimmzüge, Handstand
- Unterkörper: Kniebeugen, Ausfallschritte, Step-ups, Glute Bridges
- Rumpf: Sit-ups, Planks, Mountain Climbers
- Ganzkörper: Burpees, Bear Crawls, Jump Squats
Körpergewichtstraining kann auch mit Hilfsmitteln kombiniert werden: Calisthenics ist eine Form des Körpergewichtstrainings, die Stangen, Ringe und Outdoor-Fitnessanlagen nutzt.
Was sind die wichtigsten Formen?
Zu den Varianten des Körpergewichtstrainings zählen:
- Calisthenics: häufig als Zirkeltraining aufgebaut (eine Übung nach der anderen mit wenig Pause), dynamisch und auf den ganzen Körper ausgerichtet. Calisthenics ist sicher und wirksam, um funktionelle Kraft, Explosivität und Schnelligkeit zu verbessern – besonders bei älteren Erwachsenen
- Yoga: eher statische oder fliessende Positionen mit Schwerpunkt auf Beweglichkeit und Gleichgewicht. Yoga ist in der Regel sicher und effektiv, um Muskel-Skelett-Verletzungen zu behandeln und vorzubeugen sowie die psychische Gesundheit zu unterstützen
Tai Chi: langsamere, kontrollierte Bewegungen, oft mit Fokus auf Gleichgewicht, Haltung und achtsame Bewegung
Suspension-Training: Training mit Gurten oder Ringen, sodass der Körper in unterschiedlichen Positionen gestützt werden kann, während Schwerkraft und Körpergewicht als Widerstand dienen. Diese Trainingsform eignet sich von älteren Erwachsenen bis hin zu Leistungssportlerinnen und -sportlern
Widerstandsbänder: auch wenn sie streng genommen nicht „nur“ Körpergewicht sind, sind Bänder eine portable, kostengünstige Alternative zu klassischen Gewichten. Sie sind sicher und wirksam, um Kraft, Gleichgewicht, Schnelligkeit und die körperliche Funktionsfähigkeit zu verbessern
Was sind die Vor- und Nachteile?
Körpergewichtsübungen bringen verschiedene Stärken und Schwächen mit sich.
Vorteile:
- steigert die Kraft: Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2025 mit 102 Studien und 4,754 älteren Erwachsenen (im Schnitt 70 Jahre) zeigte, dass Körpergewichtstraining zu deutlichen Kraftzuwächsen führt – und diese waren nicht geringer als bei Training mit freien Gewichten oder Maschinen. Diese Effekte gelten jedoch nicht nur für ältere Menschen: Wenn du Widerstandsbänder in ein Körpergewichtstraining integrierst, kann das – in unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen – genauso wirksam sein wie traditionelle Trainingsmethoden
- verbessert die aerobe Fitness: Eine Studie aus 2021 ergab, dass bereits 11 Minuten Körpergewichtsübungen dreimal pro Woche ausreichen können, um die aerobe Fitness zu steigern
- niedrige Hürden und kostenlos: Körpergewichtstraining umgeht typische Hindernisse wie fehlenden Zugang zu Geräten oder Trainingsstätten – es ist nahezu überall machbar, ganz ohne Fitnessstudio-Mitgliedschaft
- fördert alltagsnahe Bewegungen: Übungen wie Kniebeugen und Liegestütze ähneln alltäglichen Handlungen, zum Beispiel vom Stuhl aufzustehen oder vom Boden hochzukommen
Nachteile:
- Progression über längere Zeit kann schwieriger sein: Normalerweise lässt sich eine Übung einfach schwerer machen, indem man Gewicht ergänzt. Beim Körpergewichtstraining ist mehr Kreativität gefragt – etwa ein langsameres Tempo oder der Umstieg auf einseitige bzw. einbeinige/ einarmige Varianten
- Risiko eines Plateaus: Sehr hohe externe Lasten sind wirksamer als Körpergewichtstraining, wenn es darum geht, die Maximalkraft zu erhöhen. Das bedeutet: Wenn du ausschliesslich bei Körpergewichtstraining bleibst, ist die Wahrscheinlichkeit grösser, dass deine Kraftzuwächse eher stagnieren, als wenn du zusätzlich Maschinen oder freie Gewichte nutzt
Tipps für den sicheren Einstieg
Wie bei jeder Trainingsform ist es sinnvoll, vor dem Start mit einer medizinischen Fachperson zu sprechen.
Wenn du loslegen möchtest, helfen dir diese Hinweise:
- klein anfangen: Wähle zu Beginn einfache Bewegungen und steigere sie, sobald Kraft, Selbstvertrauen und Erfahrung zunehmen
- Technik priorisieren: Qualität geht vor Quantität. Saubere Ausführung mit guter Kontrolle und stabiler Körperposition ist wichtiger als viele Wiederholungen mit schlechter Kontrolle
- schrittweise steigern: Verändere die Anzahl der Sätze oder Wiederholungen, um die Belastung zu erhöhen. Du kannst ausserdem von leichteren zu anspruchsvolleren Varianten übergehen – zum Beispiel von Liegestützen auf den Knien zu Decline Push-ups, sobald du stärker wirst und mehr Herausforderung brauchst
- Abwechslung einbauen: Nutze unterschiedliche Formen des Körpergewichtstrainings und wechsle zwischen Muskelgruppen und Bewegungsmustern
- Unterstützung holen: Wende dich an lokale Trainingsexpertinnen und -experten oder nutze Apps wie den Nike Training Club, um Planung und Fortschritt zu begleiten
Körpergewichtstraining zeigt: Du brauchst kein teures Equipment, um etwas für deine Gesundheit zu tun. Ob Kniebeugen im Park, Liegestütze am Spielfeldrand beim Fussballtraining deiner Kinder oder Yoga zu Hause – dein Körper ist ein mobiles Fitnessstudio.
Mit Beständigkeit, etwas Kreativität und genügend Zeit können Körpergewichtsübungen dabei helfen, Kraft und Fitness aufzubauen.
Dan van den Hoek, Senior Lecturer, Clinical Exercise Physiology, University of the Sunshine Coast und Jackson Fyfe, Senior Lecturer, Strength and Conditioning Sciences, Deakin University
Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lies den Originalartikel.
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