Amazfit trommelt zwar laut für seine Präsenz bei Hyrox, doch die Marke spricht ebenso Läuferinnen und Läufer an – besonders mit der Cheetah 2 Pro.
Am 12. April gewann der italienische Athlet Yemaneberhan Crippa nach 2 Stunden 5 Minuten und 18 Sekunden den Marathon de Paris. An seinem Handgelenk: eine Smartwatch von Amazfit, die Cheetah 2 Pro.
Auch wenn mir seine Beine und seine körperlichen Voraussetzungen fehlen, konnte ich ihn in einem Punkt immerhin nachmachen: bei der Uhr. Nach einem Monat mit der Cheetah 2 Pro am Handgelenk folgt hier mein Urteil zu dieser Amazfit.
Ist sie an meinem Arm genauso spannend wie am Handgelenk eines Champions? Und kann sie für uns Hobbyläufer zu einem bevorzugten Trainingspartner werden?
Hier findet ihr unser Video mit Hyrox-Champions, die Amazfit-Uhren nutzen.
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Eine Uhr, die konsequent fürs Laufen gebaut ist
Noch bevor ich die Cheetah 2 Pro überhaupt angelegt hatte, war klar: Das ist eine echte Laufuhr. Amazfit positioniert sie nicht als Outdoor- oder Lifestyle-Wearable – hier dreht sich praktisch alles um Running.
Trotz des recht grossen Gehäuses (43,8 mm) sitzt sie an meinem Handgelenk angenehm. Dazu kommt das geringe Gewicht (45,6 g) und ein grosses AMOLED-Display mit 1,5 Zoll (entspricht ca. 3,8 cm), das extrem gut ablesbar ist (3000 Nits). Die Bedienung gelingt sehr unkompliziert, auch weil rund um das Display vier Tasten verbaut sind.
Die Aluminiumlünette sorgt für einen leicht „verchromten“ Look und wirkt dadurch etwas premium – ein Auftritt, der die von Amazfit aufgerufenen 449€ zumindest optisch stützt.
Das GPS überzeugt wirklich
Kaum eine Sportuhr verzichtet darauf, ihr GPS als Highlight zu vermarkten – und technisch liefert die Cheetah 2 Pro hier tatsächlich das, was man aktuell als Spitze bezeichnen kann: Dual-Band-Positionierung, kombiniert mit 6 Satelliten.
In der Praxis hat mich das System überrascht: Der GPS-Fix steht in wenigen Sekunden, und das Tracking bleibt nahezu fehlerfrei – selbst in schwierigen Situationen wie in der Stadt zwischen hohen Gebäuden oder beim Durchlaufen kurzer Tunnel.
Gerade als Amateur unterschätzt man schnell, wie wichtig Präzision hier ist. Ein exakt berechneter Track sieht nicht nur im Strava-Feed gut aus, er ist vor allem die Grundlage für eine stimmige Pace-Berechnung.
Profis spüren meist intuitiv, ob das Tempo passt – es ist ihr Alltag. Für uns „normale“ Läuferinnen und Läufer ist das deutlich schwieriger. Verlässliche Daten helfen dabei, Training und Wettkampf besser zu steuern.
Eine Uhr für ganz normale Sportler?
Ja: Wie eingangs erwähnt, wurde die Cheetah 2 Pro am Handgelenk des Siegers des Marathon de Paris getragen. Das macht sie aber nicht zu einem Produkt, das nur einer ultra-performanten Elite vorbehalten wäre – im Gegenteil.
Klar ist auch: Bei dieser Ausstattung und einem Preis von 449€ richtet sie sich nicht an Einsteigerinnen und Einsteiger (Amazfit hat günstigere Modelle für den Start). Wer jedoch bereits regelmässig trainiert und beim Equipment den nächsten Schritt gehen will, bekommt hier eine wirklich starke Option.
Mit der Cheetah 2 Pro am Arm hat man nicht nur eine Uhr, die jede Einheit mitmacht – sie soll vor allem dabei helfen zu verstehen, wie der Körper die Trainingsbelastung verarbeitet.
Genau dort hat Amazfit sichtbar investiert, etwa mit einer Schätzung der Laktatschwelle. Über die Begleit-App Zepp (für Android und iOS) steht eine grosse Menge an Daten bereit, um die eigenen Einheiten besser einzuordnen.
Wer es ambitionierter angehen will, kann sich über Zepp Coach zudem personalisierte Trainingspläne erstellen lassen – abhängig vom nächsten Ziel. Damit lassen sich Trainingsplanung und Messwerte sauber an einer Stelle bündeln.
Eine sehr beruhigende Akkulaufzeit
Ein weiteres grosses Plus dieser Amazfit ist die Ausdauer. Amazfit nennt bis zu 20 Tage Akkulaufzeit bei normaler Nutzung sowie rund 30 Stunden mit aktiviertem GPS. Natürlich hängt das stark vom eigenen Einsatz ab – im Test gab es bei mir aber keinerlei Akkuprobleme, selbst mit mehreren Einheiten pro Woche und aktivem Schlaftracking.
Eine Uhr, die über Tage läuft, ohne ständig ans Ladegerät zu müssen, ist im Alltag einfach angenehm. Und wenn der Akku doch leer ist, reicht es, die Uhr auf die mitgelieferte Ladeschale zu legen – dann startet das Laden sofort. Das Ganze dauert nur wenige Minuten.
Offline-Karten und weitere Funktionen
Ohne gleich zu den absoluten Highlights zu gehören, ist auch der Rest der Ausstattung attraktiv. So lassen sich Karten herunterladen, um sie offline zu nutzen. Ausserdem unterstützt die Uhr Zepp Pay, womit man eine Bankkarte hinterlegen und direkt mit der Uhr kontaktlos bezahlen kann.
Dazu kommt eine Frontleuchte: ein kleiner „Flash“, vergleichbar mit dem Licht unserer Smartphones – sehr praktisch, wenn man nachts kurz etwas sehen muss. Gerade junge Eltern dürften diese Funktion schätzen, um um 3 Uhr morgens ein Fläschchen zuzubereiten, ohne das ganze Haus zu beleuchten.
Ein etwas ungenauer Pulssensor
Trotz vieler Stärken ist die Cheetah 2 Pro nicht frei von Schwächen. Besonders der Herzfrequenzsensor wirkt mitunter launisch und liefert gelegentlich Werte, die nicht wirklich plausibel sind.
Für viele Hobbyläuferinnen und Hobbyläufer dürfte das im Alltag kaum störend sein – erwähnenswert bleibt es dennoch, zumal es sich um eine Uhr handelt, die klar im Premium-Segment mitspielen will.
Ein weiterer Nachteil ist ihre „Exklusivität“: Die Uhr wirkt so, als sei sie im Kern nur für eine bestimmte Gruppe gebaut – für Läufer. Zwar unterstützt die Cheetah 2 Pro mehr als 170 Sportarten, doch so präzise und selbstverständlich wie beim Laufen fühlt sich die Nutzung in anderen Disziplinen nicht an.
Auf der einen Seite ist das für Läufer wie mich ideal: Man bekommt eine Smartwatch, die sich fast schon „massgeschneidert“ anfühlt – sie ist für diesen Zweck konzipiert und liefert dort entsprechend ab. Sobald man jedoch aus diesem Rahmen herausgeht, wirkt sie weniger souverän.
Sie kann dich beim Radfahren, im Schwimmbad oder beim Padel begleiten, aber nicht mit derselben Selbstverständlichkeit. Das ist nur mein Eindruck, dennoch: Mir erschien die Uhr sehr (zu?) stark auf reines Running fokussiert, um wirklich die breite Masse anzusprechen.
Hinzu kommt, dass Amazfit insgesamt noch nicht die gleiche „Legitimität“ beim breiten Publikum hat und (vor allem) kein so weit verzweigtes Ökosystem anbietet. Viele Sportler wählen nicht zwingend die objektiv passendste Uhr, sondern die, die am besten in ihr bestehendes System passt.
Garmin profitiert von einer riesigen Produktpalette, und auch Coros oder Suunto bauen ihre Ökosysteme aus. Sie bringen zusätzliche Produkte auf den Markt (Dura bei Coros als Fahrradcomputer oder die Wing von Suunto als Knochenleitungs-Kopfhörer). Amazfit ist diesen Schritt noch nicht gegangen – für die weitere Entwicklung der Marke und um erfahrene Sportler zu überzeugen, wirkt das jedoch wie eine notwendige Etappe.
Ist die Cheetah 2 Pro die richtige Wahl?
Auch nach einem Monat mit der Cheetah 2 Pro am Handgelenk habe ich weder einen Marathon gewonnen noch überhaupt 42 Kilometer am Stück absolviert. Daran liegt es aber sicher nicht an der Uhr. Sie ist ein sehr interessantes Produkt, das ich meinen Lauf-Freunden klar empfehlen würde.
Amazfit ist im Running-Umfeld nicht die bekannteste Marke, doch die Produkte verdienen mehr Aufmerksamkeit. Die Cheetah 2 Pro ist dafür ein sehr gutes Beispiel: eine echte High-End-Uhr, die es mit etablierten Grössen wie Garmin, Coros oder Suunto aufnehmen kann.
Für 449,90€ bietet sie 2026 eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse. Man bekommt eine Premium-Uhr mit sehr hellem AMOLED-Display, präzisen Daten und einem starken Trainings-Tracking.
Die Berechnung der Laktatschwelle ist ein echtes Differenzierungsmerkmal – vorausgesetzt natürlich, man nutzt diese Kennzahl sinnvoll.
Amazfit Cheetah 2 Pro
Preis: 449.90
Wertung: 9.9
Gesamtwertung
9.9/10
Das gefällt uns
- Display
- Akkulaufzeit
Das gefällt uns weniger
- Pulsmessung
- GPS
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